Ich muss daran denken nachzufragen, andere interessiert’s wirklich :-) *

Dass ich eher sachbezogen statt personenbezogen denke,  merke ich immer wieder in verschiedensten Situationen. Ein Beispiel: Kommt ein Arbeitskollege nach dem Urlaub zurück, muss ich daran denken, nachzufragen, wie der Urlaub war. Ich bin nicht an Geplänkel interessiert, mit Smalltalk kann ich gar nichts anfangen. Wenn mich etwas nicht wirklich interessiert, komme ich selber nicht auf die Idee, aus Höflichkeit nachzufragen. Man könnte es so ausdrücken: Ich muss daran denken, nachzufragen und andere interessiert es wirklich.

Um beim Beispiel zu bleiben, könnte sich folgende Situation abspielen: Ein Arbeitskollege kommt nach seinem Strandurlaub an schönster Lokalität zurück zur Arbeit. Weil ich mir notiert habe, dass er an diesem Tag wieder zurückkommt,  frage ich – aus erlernter Höflichkeit – nach, wie der Urlaub war. Der Kollege beginnt nun von wunderschönen, endlosen Sandstränden, tiefblauem Wasser, beeindruckenden Tauchgängen usw. zu erzählen. Ich gebe mir Mühe, so auszusehen, als ob es mich interessieren würde und gebe kleine Rückfragen von mir, um das Scheininteresse zu wahren. In Tat und Wahrheit habe ich aber entdeckt, dass der Kollege neue Noise-cancelling-Kopfhörer um den Hals trägt; die, für die ich mich seit ein paar Tagen interessiere. Nun möchte ich eigentlich über diese Kopfhörer reden, möchte alles wissen, was mir der Kollege darüber sagen kann. Möchte technische Details erfahren und was er für Erfahrungen damit gemacht hat. Aber das geht in der Situation nicht, denn ich „muss“ mir Details über einen Strandurlaub anhören. Mal davon abgesehen, bin ich eher der Typ für Urlaub im Norden!

Ähnliches kann sich abspielen, wenn ich im Urlaub gewesen bin. Wenn mich ein Kollege fragt, ob ich einen schönen Urlaub hatte, kann es vorkommen, dass ich das mit einem simplen „Ja“ beantworte und mich wieder meiner Arbeit zuwende. Nicht immer denke ich daran, dass ich mittlerweile eigentlich gelernt habe, dass der Fragende so auch nach Details fragt. Also überlege ich mir zwei, drei möglichst aussagekräftige Sätze und wiederhole diese dann auch beim zweiten, dritten, vierten Fragenden. Ich nenne das Fokussierung aufs Wesentliche, meine Frau nennt das bequem. 🙂

Den Schein zu wahren, „normal“ zu wirken, ist oft sehr ermüdend. Vor allem, wenn um mich herum noch viele andere Leute laut miteinander sprechen, der Raum nach Knoblauch stinkt, die Sonne zum Fenster rein blendet und wenig Platz zur Verfügung steht. Ja, manchmal ist es unangenehm, anders zu sein als neurotypische Menschen (nicht vom Autismus betroffene).

Sachbezogen zu sein hat aber auch seine Vorteile. Ich kümmere mich nicht darum, was andere von mir denken. In vielen Situationen, in denen andere aus einer Art „Menschenfurcht“ anderes reagieren, als sie eigentlich möchten, gehe ich los und ziehe mein Ding durch. Es kommt mir meist gar nicht in den Sinn, dass man etwas auch anders sehen kann, als ich es sehe.

(Un-)angenehm anders sein, soll also die zwei Seiten von Asperger-Autismus andeuten. Ja, ich habe Asperger-Autismus, aber ich leide meist nicht unter Asperger-Autismus. Ich bin so, wie ich bin, an sich arbeiten sollte sowieso jede/r.

* meine Lektorin/Ehefrau meint, dass hier ein Smiley angebracht wäre.

Ein Gedanke zu “Ich muss daran denken nachzufragen, andere interessiert’s wirklich :-) *

  1. Strandurlaub ist mir auch egal. Dafür hatte ich mal unter Praktikumskollegen einen Fan von USA-Rundreisen auf eigene Faust. Da will ich wissen, ob es Probleme gab, was sie sich angeschaut und gelernt haben. Wie die Leute dort so waren. Also Richtung Landeskunde. Das ist auch meine Motivation zu verreisen: Ich will was über mein Zielland lernen. Ach ja, noch einen ätzenden Punkt gibt es in Berichten: Die üblichen Verdächtigen, vulgo Sehenswürdigkeiten. Das hasse ich auch an den Reisepaketen, die es für meine Wunschziele gibt. Ansonsten mache ich das auch: Aus Höflichkeit fragen. Bei „Wie war der Urlaub?“ will ich keine Details wissen, die kommen aber trotzdem.

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